Ausgeglichen: Gerd Dopheide im Porträt
Kann man gar nicht glauben, was er da sagt: „„Als Schüler war ich ein Alptraum. Ich war stinkfaul und habe viel Mist gemacht.“
Wenn man ihn jetzt trifft, würde man sagen: Der hat die Ruhe weg.

Gerd Dopheide, geboren 1949 in Dortmund, ist ein aufgeräumter Mensch.
Naja, und gelernt hat er am Ende auch etwas. Technik war schon immer sein Ding. Mit 12 hat er bereits Elektroinstallationen gemacht. Diplomingenieur (FH) ist er dann geworden, und er ist den größten Teil seine Berufslebens Berufsschullehrer gewesen. Er hatte sich die Lehrer von früher gemerkt „Die guten und die schlechten“ – und er wollte es besser machen als die schlechten.
„Ich habe ein halbes Jahr als Ingenieur gearbeitet, und dabei die Lehrlinge ausgebildet. Es hat mir immer Spaß gemacht, Menschen für Technik zu begeistern.“ Und so fügte sich dann in kurzer Zeit das eine und das andere zusammen. Nach dem Dipl. Ing. (FH) hat er angefangen, in Aachen zu studieren. Nach zwei Semestern war die Situation so: Es wurden dringend Berufsschullehrer gesucht – und dann hat er auf Lehramt studiert. Sein Referendariat hat Gerd dann an der Dortmunder Berufsschule gemacht – da war er selbst schon als Schüler – und die haben ihn mit Freude als Lehrer aufgenommen.

Zwei weitere Dinge haben sich gefügt. Seit er 16 ist, kennt er seine Inge, und 1972 haben die beiden geheiratet. Und schon als junger Bursche zog es ihn aufs Wasser. All das hat sich in den Jahren nicht geändert. Es fing mit einem Schlauchboot an, und später wurde es ein Kajak. Sogar eines aus Kunststoff. Dazu muss man wissen: Kunststoff kam etwa Ende der 60er Jahre als Baustoff für Boote auf die Welt. Kajaks waren vorher aus Holz oder sie waren Faltboote mit Stoffbezug. Gerd hatte jedenfalls eines der neumodischen Kunststoffkajaks und präsentierte das bei seinem damaligen Club in Schwerte. Aber irgendwie wurde er mit den Leuten dort nicht so recht warm. „Die wollten nur sehen, dass ich mit meinem Kunststoffboot auf der Slalomstrecke umkippe.“
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Zum Kanuclub Hagen kam er 1978. Damals gab es noch ein Probejahr, bevor man in den Verein überhaupt aufgenommen werden konnte. Und damals gab es einen Vorsitzenden, der nach dem Probejahr den Antrag von Gerd schlicht nicht bearbeitet hat. Aber : „Ich hatte damals schon viele Freunde im Verein. 1980 konnte er nicht anders, da wurde ich dann offiziell aufgenommen.“ Zwischen den beiden muss es ständig gekriselt haben. Was vielleicht auch daran lag, dass Gerd, als er dann 2002 in den Vorstand gewählt worden war, darauf bestand, dass Sitzungsprotokolle vom gesamten Vorstand genehmigt werden – und nicht nur vom Vorsitzenden. Trotzdem attestiert er ihm „Er hat viel für den Verein getan.“

Solche Auseinandersetzungen lassen sich nach so vielen Jahren nicht mehr wirklich sauber bewerten. Aber es spricht für Gerd, dass er später selbst zum Vorsitzenden im KCH gewählt worden ist. Das war 2006. Dafür, dass er nicht wollte, hat er dann lange durchgehalten: Drei Perioden a’ vier Jahre – also bis 2018. Dann war aber auch gut.
Inge und Gerd sind viel gereist, und sie reisen weiter viel. „Wir ergänzen uns. Es gibt nur einen Unterschied: Inge ist hibbeliger als ich. Inge und ich sind auf der ganzen Welt schon Kanu gefahren. Das Reisen ist unheimlich wichtig für unser Leben.“

Fünf wesentliche Konstanten ziehen sich durch Gerds Leben: seine Familie, der Beruf, das Kajakfahren, das Reisen und der Verein.
„Das gemeinsame Erleben ist mir wichtig, und der Verein ist mir wichtig. Ein Teil meines Lebens.“
Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, als Schüler ein Alptraum sein, um im Ruhestand von sich sagen zu können: „Ich bin relativ ausgeglichen.“


