Die Strömung soll es richten: Ausbaggern ist nicht mehr…

Baggerschiffe bei der Arbeit (unten rechts) – etwa zwischen 1927 und 1929 – also zu der Zeit, als der Hengsteysee angelegt wurde.

Der Hengsteysee wird absehbar nicht wieder ausgebaggert. Der Grund: Zu aufwendig, zu teuer. Um zu verhindern, dass der See über die Zeit immer mehr verlandet, plant der Ruhrverband etwas anderes: die Strömung im See könnte so geändert werden, dass sich Sediment nicht mehr ablagert, und dass auch bestehendes Sediment weggespült wird. Die Sache muss aber noch erforscht werden. 

Die zunehmende Verlandung des Hengsteysees ist ein immer wiederkehrendes Thema – vor allem unter den Seglern, aber auch unter den Kanuten in unserem Verein, in den Nachbarvereinen und in den Gesprächen, die sowohl die IG-Hengsteysee als auch Stadt.Land.Ruhr mit dem Ruhrverband geführt haben. Und auch am Harkortsee taucht die Frage immer wieder auf: Wird der See nicht alle 30 Jahre oder so in etwa neu ausgebaggert? Nein, wird er nicht. Unser Gesprächspartner war in den letzten Monaten vor allem Christoph Gerbersmann als Finanzvorstand und damit als zweiter Vorsitzender des Ruhrverbandes Essen.

Zuletzt wurde der See 1989 ausgebaggert, der Harkortsee wurde einige Jahre später auf durchschnittlich 2 m Wassertiefe gebracht. Dass sich das nicht wiederholen wird, hängt vor allem Mit Aufwand und Kosten zusammen.

Ausbaggerung kostet mehr als 80 Mio Euro

Nach Berechnungen des Ruhrverbandes kostet die Ausbaggerung alleine rund 20 Mio Euro – und zwar pro See. Das wäre aber nur der Sonderpreis, wenn man den ausgehobenen Schlamm direkt nebenan am Ufer deponieren könnte. Und genau das geht nicht mehr. Es gibt keine Flächen, Narturschutzgründe sprechen zudem dagegen, den belasteten Schlamm einfach irgendwo in die Botanik zu kippen. Gerbersmann: „An beiden Seen – und ganz dramatisch am Hengsteysee – ist praktisch null Fläche, auf der man ablagern könnte.“ Am Harkortsee gäbe es nur eine theoretische Fläche: Dort, wo derzeit der Campingplatz ist. Den zu räumen, gilt als politisch undurchsetzbar.

Was man früher gemacht hat, nämlich am Hengsteyseeende Flächen einzudeichen und dahinter Schlamm aufzuspülen, bekäme man heute schlicht nicht mehr genehmigt.

Bliebe noch, den Schlamm irgendwie irgendwo anders zu entsorgen. Das ist noch nicht konkret ausgerechnet worden, aber die Kosten für Entwässerung des Schlamms, Transport und Endlagerung dürften höher liegen, als die für die eigentliche Ausbaggerung. Das heißt: Die Gesamtkosten dürften mehr als 80 Mio Euro betragen.

Auf der anderen Seite möchte auch der Ruhrverband den See als solchen erhalten – zumal das Pumpspeicherkraftwerk seinen Wasserbedarf nicht aus dem Trockenen schlürfen kann.

Flach und mit Elodea verkrautet: Hengsteysee im Sommer. Die zunehmende Verladnung des Sees begünstigt auch das Wachstum der Elodea.

Was der Ruhrverband stattdessen plant: Strömungsänderungen. Die Idee geht im Grundsatz so: Man verändert durch wasserbauliche Maßnahmen den Lauf der Strömung im Hengsteysee. Bislang wird die dominiert durch den Zulauf der Ruhr, den Ruhrlauf selbst, den Ablauf am Stauwehr, und sie wird ergänzt durch die Aktivität des Pumpspeicherwerkes.

Eine neue Strömung soll es richten

Der Ruhrverband hat die Uni Duisburg-Essen und die Fachhochschule Münster beauftragt, der ganzen Sache im Rahmen eines Forschungsauftrages auf den Grund zu gehen.

Drei große Fragen sollen beantwortet werden:

1.) Kann die Idee, den Strömungsverlauf durch wasserbauliche Maßnahmen zu ändern überhaupt funktionieren? Kann man die Sedimente im See auf andere Art umlagern und dadurch wieder Stauvolumen gewinnen?

2.) Was bedeutet das für die Gebiete flussabwärts?

3.) Welche Maßnahmen zur Reduzierung des Sedimenteintrages aus dem Oberlauf sind möglich?

Insgesamt spielen bei dem Forschungsauftrag strömungstechnische Dinge eine Rolle, also: was passiert bei verschiedenen Wasserständen und Fließgeschwindigkeiten? Und: Was wären die ökologischen Konsequenzen?

Schließlich will man vermeiden, dass das Ökogleichgewicht der Seen zusammenbricht, und man will auch vermeiden, dass sich die Sedimente flussabwärts irgendwo ungeplant sammeln. Konkreter kann man die Risiken noch nicht einschätzen, denn die Sache solle ja erst noch erforscht werden.

W e n n die Beeinflussung der Strömung eine Lösung wäre, dann weiß man das nicht vor 2029 oder 2030, denn das Forschen braucht so viel Zeit. Und etwa zu diesem Zeitpunkt könnten dann erst wasserbauliche Projekte beginnen. Aber auch danach könne man nicht erwarten, dass der See wie eine Badewanne ausgespült wird. Man hofft eher, dass man das Sediment in der Nähe der Hauptströmung bewegen kann, den Hengsteysee zu verlassen.

(Ralf Schaepe)