Kanupolo? Läuft.
Ja, es ist ein längeres Interview mit Tobias Nordmann.
Ja. Ihr müsst es lesen.
Macht Spaß zu sehen, wie sich die Kanupolos entwickelt haben.

Frage
Ich habe mal nachgesehen. Im April 2023 hattest Du die erste Mail geschrieben: „Ich möchte die Polomannschaft wiederbeleben.“ Wie sieht es jetzt aus? Wie ist der Stand – knapp dreieinhalb Jahre später?
Tobias:
Das erste Jahr ist tatsächlich komplett wirkungslos verpufft, da gab es überhaupt keinen Rücklauf. Entstanden ist das Ganze dann über den Hochschulsport in Bochum, wo ich auch Trainer für Kanupolo bin. Wir haben dort trainiert, und irgendwann kam der Wunsch auf, ein bisschen mehr und regelmäßiger zu spielen.
Da habe ich gesagt: Passt auf, ich habe sowieso die Idee, das Kanupolo im KC Hagen wiederzubeleben. Habt ihr Lust? Dann haben sie sich das im Hallenbad angeschaut. Das ging so über den Winter 2024/25, und danach hat es richtig Fahrt aufgenommen.
Letztes Jahr war das Training schon gut besucht, dieses Jahr sehr gut. Wir sind regelmäßig acht, zehn, zwölf Leute. Damit kannst du natürlich fantastisch trainieren.
Frage
Was braucht man denn beim Kanupolo üblicherweise für eine Mannschaftsstärke – sowohl auf dem Spielfeld als auch zum Einwechseln? Was ist eine gesunde Mannschaftsgröße?
Tobias:
Gespielt wird in der Standardvariante. Es gibt mittlerweile zwei Varianten im Kanupolo: Speedpolo mit vier gegen vier und die klassische Variante mit fünf gegen fünf. Dazu kommen maximal drei Auswechselspieler beziehungsweise Auswechselspielerinnen.
Ich bin aktuell in der Mixed-Liga, den Mixed Masters. Die ist mit vielen Vereinen, unter anderem aus Essen, Mülheim und Bergheim, also wirklich quer durch NRW.
Dabei muss jede Mannschaft mindestens eine Frau und einen Mann auf dem Spielfeld haben. Da sind wir sehr froh, dass wir mit Sarah, Pia und Luisa schon drei Frauen haben, die sehr aktiv sind. Katja kommt jetzt noch dazu, dann sind wir zu viert.

Frage
Wenn ich zwischendurch im Verein auftauche, denke ich immer: „Huch, schon wieder ein neues Gesicht!“ Wie machst du das? Hast du eine eigene Drückerkolonne?
Tobias:
Der Hochschulsport in Bochum ist für uns ein sensationell gutes Einfallstor, weil wir darüber wirklich viele Leute erreichen. Die Kurse sind ständig ausgebucht, und wir können drei verschiedene Kurse auf unterschiedlichen Niveaus anbieten.
Die Leute kommen zum Schnuppern, und viele bleiben hängen. Wenn wir merken, dass jemand Bock hat, sprechen wir ihn an und sagen: Wir haben noch ein zweites Training in Hagen.
Außer David, der schon vorher im Verein war, sind, glaube ich, alle über diesen Weg gekommen.
Frage
Du bist im Grunde Manager, Trainer und Spieler in einer Person. Wie lange braucht man als Trainer, um einen Einsteiger zu einem brauchbaren Spieler zu machen?
Tobias:
Das hängt immer ein bisschen vom individuellen Talent ab. Grundsätzlich geht es aber relativ schnell. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass du keine Angst vor dem Ball hast und dass du Spaß am Paddeln hast.
Ob du ein guter Paddler oder ein guter Werfer bist, ist erst einmal zweitrangig. Du musst Freude daran haben, dich im Boot zu bewegen, und solltest nicht zurückzucken, wenn ein Ball auf dich zufliegt.
Frage
Wie lange braucht man, um eine Mannschaft zu formen?
Tobias:
Wenn du eine gut funktionierende Mannschaft hast, dann ziehst du die Neuen sehr schnell mit.
Je höher das Niveau der Mannschaft ist, desto schneller kommt auch die individuelle Entwicklung voran.
Wenn du sechs bis acht Wochen regelmäßig dabei warst, kannst du auf jeden Fall auf einem Niveau mitspielen, bei dem du nicht mehr das Gefühl hast, völlig überfordert zu sein. Die ersten drei, vier Wochen sind sicherlich noch anders.
Das ist ein bisschen wie beim Skifahren oder Snowboarden: Du stellst dich auch nicht zum ersten Mal auf die Bretter und kommst sofort den Berg herunter. Beim Kanupolo ist es genauso.
Es dauert dann sicher noch drei, vier oder fünf Monate, bis du alles durchschaust. Gerade vor dem Tor geht es manchmal ziemlich wild zu, und auch die ganzen Regeln müssen erst einmal sitzen. Ein gutes Quartal musst du schon mittrainieren, bis du das Spiel komplett verstanden hast.

Frage
Wie viele Mannschaften gibt es überhaupt in der Umgebung, mit denen ihr Spiele bestreiten könnt?
Tobias:
Es gibt wahnsinnig viele. Über die Liga haben wir viele Kontakte zu anderen Teams geknüpft. Wetter ist zum Beispiel schon seit Jahrzehnten eine Kanupolo-Hochburg. Dort gibt es mittlerweile, glaube ich, rund 70 Boote und annähernd 100 Spieler über alle Altersklassen.
Die haben großes Interesse daran, regelmäßig mit uns zu spielen. Auch die Essener Vereine wollen sich mit uns vernetzen. Es gibt sogar Anfragen, ob wir einmal in den Herrenbereich hinein schnuppern wollen. Das würden wir gerne machen. Wir wollen natürlich gleichzeitig unsere vier Spielerinnen nicht verprellen.
Wir haben sicherlich acht bis zehn Vereine, die großes Interesse an einem regelmäßigen Austausch mit uns haben.
Ich habe, bevor ich zurück in den Pott gekommen bin, in Berlin die Uni-Mannschaft trainiert und habe deshalb auch viele Kontakte zu den Ostvereinen, etwa nach Potsdam und Leipzig. Als ich geschrieben habe, dass wir wieder dabei sind, haben die uns sofort zu Turnieren eingeladen.
Das ist natürlich auch mit Fahrtkosten und viel Zeitaufwand verbunden. Fünf oder sechs Turniere irgendwo in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin können wir im Jahr nicht machen. Das wäre zu aufwendig.
Aber dieses Jahr haben wir schon an einem Turnier teilgenommen – und es sogar gewonnen. Ein Wahnsinnsturnier.
Frage
Du bist mitten im Berufsleben und managst nebenbei noch den Verein. Da muss man zwangsläufig fragen: Was genau ist dein psychischer Schaden, dass du dir das antust?
Tobias:
Ach, das ist echt die Liebe zu diesem Spiel. Ich habe schon Gott weiß wie oft gedacht: Ich höre auf mit dem Scheiß, mit dem Sport. Und dann sitze ich im Boot und denke mir: Mehr geht nicht.
Es ist einfach wirklich diese Liebe zu dem Sport. Ich mache das schon seit 1999, glaube ich.

Frage
Du bist ein Eigengewächs des Kanu Club Hagen.
Tobias:
Ich bin ein Hagener Eigengewächs. Ich habe eine Schleife über Münster und Berlin gedreht und war ein paar Jahre weg. Aber so richtig kommst du davon nicht los.
Als wir dann zurück nach Bochum gekommen sind, bin ich mit dem Fahrrad an der Kemnade vorbeigefahren, habe dort zwei Tore stehen sehen und mich erkundigt. Da war direkt eine Mannschaft, die gut funktioniert hat und nett war. Dann bist du wieder reingewachsen.
Und daraus entstand schließlich die Idee, das Ganze wieder zum KCH zurückzutragen. Es ist auch eine wahnsinnig nette Mannschaft, die Bock hat zu lernen und einen guten Teamspirit hat. Und das macht es nur noch schwieriger, den Schritt ins Karriereende zu machen.
Frage
Wie alt bist du jetzt?
Tobias:
Darf ich fast nicht sagen. 45.

Frage
Du bist ja auch noch in den Vorstand gekommen. Wie beurteilst du die Zusammenarbeit mit dem Verein?
Tobias:
Top. Ich bin jetzt auch im Vorstand, aber ich fand es wahnsinnig cool, mit welcher Offenheit der Verein dem Ganzen begegnet ist.
Es wäre völlig nachvollziehbar gewesen, wenn man zunächst skeptisch auf die Sache geblickt hätte. Wir hatten ja schon einmal eine sehr aktive Polomannschaft, die sich dann relativ Knall auf Fall aufgelöst hat. Da stecken natürlich Kosten drin, Material und Aufwand.
Der Verein hätte also erst einmal sagen können: Ihr habt das Material jetzt da liegen, wartet mal ab. Aber unsere Wünsche waren ja auch nicht unverschämt: ein paar Bälle, ein paar Schwimmwesten und etwas Material, das über die Jahre nicht mehr im allerbesten Zustand war.
Die Boote sind Gebrauchsgegenstände. Da wird viel herumgerempelt, die gehen eben auch kaputt.
Dann kam im vergangenen Jahr der Wunsch nach vier neuen Booten von Lettmann. Auch da herrschte im Vorstand absolute Offenheit. Ich hätte ehrlich gesagt gar nicht unbedingt damit gerechnet, dass wir die 3.000 Euro sofort bekommen.
Und genauso ist es jetzt wieder. Für die Kanupolo-WM haben wir wirklich Top-Boote auf absolutem Weltniveau bekommen, mit denen wir sehr gut mithalten können. Auch da wieder absolute Offenheit vom Vorstand.
Ich bin da mega zufrieden.
Frage
Du hast es gerade selbst gesagt: Über ein Karriereende müsste man zumindest einmal nachdenken. Sollen wir dir schon mal eine Bank grün streichen, auf der du dann sitzen und die jungen Leute beobachten kannst?
Tobias:
Das wäre schön. Und wenn ihr irgendwann den Kanupolo-Cup in Hagen „Tobias Nordmann-Cup“ nennt, dann ist mein Erbe entsprechend gewürdigt.
Nein, ich werde so lange weitermachen, bis mir der Arm abfällt.
